Titel Stanze

Harmony in Diversity

Unsere Schüler und Lehrer (Annette Beha, Werner Felten) werden am Westlake von Schülern, Angestellten und dem Reiseleiter David abgeholt.

Mit diesem Motto, das auf einem T-Shirt aufgedruckt war, das die deutschen Schüler als Geschenk erhielten, begrüßten die Schüler der Ningbo Polytechnic ihre Austauschpartner der Staatlichen Feintechnikschule mit Technischem Gymnasium in Schwenningen.

15 Schülerinnen und Schüler sowie zwei begleitende Lehrkräfte machten sich für 14 Tage auf den Weg ins Reich der Mitte im Zuge des alle zwei Jahre stattfindenden Schüleraustausches. Neben einer Rundreise lag der Schwerpunkt auf der Begegnung mit chinesischen Schülern im gleichen Alter und mit ähnlichen Schulprofilen. Diese Woche in Ningbo wurde intensiv genutzt, um sich gegenseitig besser kennenzulernen. Trotz unterschiedlicher Alltagsgewohnheiten und Lebensweisen, die sich in Gesprächen, aber auch in gemeinsamen Erkundungen ergaben, gestaltete sich der Aufenthalt an der Ningbo Polytechnic äußerst harmonisch. Zunächst lernten die Schüler bei einem gemeinsamen Rundgang den Campus kennen, auf dem sich die Unterrichtsräume, die Wohnheime für die Studenten, die Bibliothek, eine Fahrschule, ein Sportgelände sowie ein kleiner Einkaufsladen und mehrere Cafés und eine riesige Mensa befinden. Die deutschen Schüler waren im College-eigenen Hotel direkt neben dem Campus untergebracht.

Gemeinsam gelacht und geärgert wurde sich schon am ersten Tag in Ningbo bei einem gemeinsamen Spielenachmittag. Die deutschen Schüler brachten als Gastgeschenke unter anderem typisch deutsche Gesellschaftsspiele mit. Diese brachen das Eis sehr schnell. So wurde unter anderem Halli-Galli, Mensch ärgere dich nicht, Uno, Ubongo usw. gespielt. Besonders spannend gestaltete sich für die deutschen Schüler das Erklären der Spielregeln. Ab diesem Zeitpunkt wurden aus Austauschpartnern Freunde!

Auf dem gemeinsamen Programm standen unter anderem eine Einführung in die traditionelle Kalligraphie sowie der Besuch des Deutschunterrichts. Die Schüler halfen den chinesischen Schülern beim Schreiben einer Postkarte nach Deutschland; anschließend versuchten sie sich an einem Deutschtest, den die chinesischen Schüler zuvor geschrieben hatten. Zum weiteren gemeinsamen Programm gehörten der Bau und das Bemalen eines Drachen. Außerdem lernten die deutschen Schüler den chinesischen Scherenschnitt sowie die typische Knotenkunst kennen. Die Dimension der Schule mit circa 20 000 Studenten und 600 Lehrkräften wurde auf einem weiteren Rundgang deutlich. Dabei lernten wir auch die Praxisräumlichkeiten, einen riesigen Atelierkomplex für die Kunststudenten sowie eine Werkstatt für technische Ausbildungsberufe kennen. Unterwegs kamen wir an den verschieden Wohnheimen vorbei, in denen sowohl Lehrer als auch Schüler leben.

Ningbo, eine Küstenstadt südlich von Shanghai, befindet sich im Süden der Yangtse-Mündungsregion und hat knapp sechs Millionen Einwohner. Der Hafen von Ningbo zählt zu einem der wichtigsten und größten Containerumschlagplätze der Welt.

Um den städtischen Trubel am Wochenende zu „entfliehen“, bekam die ganze Austauschgruppe einen Einblick in das ländliche Leben in dem Dorf Minfeng in der näheren Umgebung von Ningbo. Dabei wurde gemeinsam der traditionelle Drachentanz einstudiert. Einige musikalische Schüler begleiteten die Gruppe sogleich auf den typischen Instrumenten. Außerdem backten die Schüler gemeinsam Reiskuchen und ernteten auf dem Feld Süßkartoffeln. Das selbst gesponnene Seil aus Stroh wurde sofort zum Seilspringen genutzt.  Beim Mittagessen probierten die Schüler tapfer die verschiedensten Speisen. „Das Auge isst mit“-Prinzip musste dabei manchmal allerdings vernachlässigt werden. Dennoch waren es gerade die gemeinsamen Abendessen, die besonders gelungen waren. Der Hot-Pot, eine Art Fondue, förderte das gute und herzliche Klima untereinander immens.

Die Abschiedsfeier wurde von zwei chinesischen Schülern moderiert. Es gab verschiedene Spieleinlagen und Auftritte, unter anderem ein deutsch-chinesisches musikalisches Duett. Auch ließen wir es uns nicht nehmen, unsere Abschiedsrede auf Chinesisch zu halten. Wie man sich denken kann, wurde dabei sehr viel gelacht und wohl nur wenig verstanden. Das Lied „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Bourani, das die Schüler zum Abschluss vortrugen, fasste die tolle gemeinsame Woche der Austauschbegegnung treffend zusammen.

Begonnen hatte die Reise mit der Ankunft in Shanghai. Direkt nach der Ankunft ging es zu der deutschen Niederlassung der in St. Georgen ansässigen Firma ebm-papst. Dort wurden wir vom technischen Direktor Markus Peikert herzlich am Eingang empfangen und in einen Konferenzraum der Firma, der extra für uns mit Erfrischungen hergerichtet wurde, geführt. Zunächst wurden uns in einem Vortrag der Aufbau der Firma, Entwicklungszahlen und  Meilensteine auf dem chinesischen Markt sowie Produktneuheiten, die extra für den chinesischen Markt entwickelt und produziert werden, vorgestellt.  Bei einem anschließenden Rundgang durch die Niederlassung wurde jede Frage der Schüler ausführlich beantwortet.

Auch am nächsten Nachmittag stand eine Firmenbesichtigung auf dem Programm. Durch engagierte Vermittlung von Frau Melanie Waldmann, der Leiterin des Personalmanagements in Schwenningen, konnten wir eine Niederlassung der Firma Waldmann. Engineers of Light besuchen. Dort wurden wir ebenso offen und freundlich vom dortigen Geschäftsführer Herrn Geiger sowie seiner Assistentin Frau Kortmann empfangen. Die Mitarbeiter verlängerten extra für uns ihre Arbeitszeit, damit wir die Produktionslinie besichtigen konnten. Während der Führung im Showroom wurde deutlich, dass die Produkte extra an den chinesischen Markt angepasst werden. Besonders interessant waren für die Gruppe die Gespräche über den Alltag von deutschen Führungskräften in Shanghai und deren Umfeld und Aktivitäten.

Insgesamt wurden auf der Reise vier Firmen besichtigt. Diese Firmenbesichtigungen sind insofern wertvoll für die Schüler einer beruflichen Schule, dass ihnen berufliche Perspektiven im Ausland aufgezeigt werden. Für eine spätere Tätigkeit zeigten sich die jeweiligen Firmen sehr offen und boten auch Praktika an.

Höhepunkte des touristischen Programms in Shanghai waren die nächtliche Bootsfahrt auf dem Huangpu River mit Blick auf die glitzernde Skyline des Finanzdistrikts Pudong sowie der Besuch der Yu-Gärten.  Mit dem Expresslift ging es zur Aussichtsplattform des Jin Mao Towers, einem der schönsten Wolkenkratzer der Stadt. Atemberaubend ist der Rundumblick auf Shanghai. Besonders mutige Schüler wagten sich auf den Skywalk. Das Besondere daran ist, dass sie nur mit einem Gurt festgehalten werden -  der Skywalk hat kein Geländer. Man kann 340 Meter in die Tiefe blicken.

Nächstes Ziel war die Stadt Suzhou westlich von Shanghai. Besonders eindrucksvoll war hier die Bootsfahrt auf dem alten Kaiserkanal, der gesäumt ist von alten mittelalterlichen Häusern und auch diversen touristischen Geschäften. Nach der Bootsfahrt wurde die Shantang-Straße mit ihren typisch chinesischen Läden erkundet und erste Mitbringsel wurden gekauft. Im Seidenmuseum von Suzhou bekamen wir einen Einblick in die Herstellung von Seide.

In Hangzhou, einer Stadt südlich von Suzhou, erkundeten wir zuerst die Teegegend um Longjing. Nach einer Wanderung durch die Teeterrassen erwartete uns eine kleine Teezeremonie und wir konnten dabei auch den angeblich besten und teuersten grünen Tee Chinas käuflich erwerben.

Auf einer Rundfahrt mit dem Boot erlebten wir den im Herzen von Hangzhou gelegenen Westsee, der zu den schönsten Landschaften Chinas gehört. In Hangzhou erwartete uns schließlich eine Delegation der Ningbo Polytechnic, die uns mit dem Bus nach Ningbo zum einwöchigen Austausch brachte.

Nach dem Aufenthalt in Ningbo war ein Besuch Pekings ein letztes touristisches Highlight. Zunächst wurden wir mit dem Collegebus nach Shanghai zum Bahnhof gebracht. Von dort ging es in 15 Stunden mit dem Softsleeper in einer Nachtfahrt in das 1068km entfernte Peking. Völlig gerädert und nach einem provisorischen Frühstück ging es auf direktem Weg zum Himmelstempel. Hier brachte der Kaiser Opfer dar und verließ  dafür sogar die Verbotene Stadt. Als „Himmelssohn“ war der Kaiser Vermittler zwischen den Göttern und den Menschen und bat um eine gute Ernte. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Markt der besonderen Art (Fake Market), in welchem es auf mehreren Stockwerken die verschiedensten nachgemachten Designerprodukte zu erwerben gibt. Hier muss gehandelt werden!

Nach dem Mittagessen ging es zum Tian’an-Men-Platz (Der Platz des himmlischen Friedens). Der Platz ist eine riesige Betonfläche im Herzen des modernen Peking. Dort befinden sich die große Halle des Volkes sowie das Mao-Mausoleum. Durch das Tor, vor dem Mao Zedong am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausrief, geht es in die Verbotene Stadt. Sie ist wohl Chinas prachtvollster Komplex, ein Symbol des kaiserlichen Glanzes und die Mitte des chinesischen Universums. Von hier regierten 25 Kaiser nahezu 500 Jahre lang. 1949 wurde sie zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In ihr befanden sich unter anderem die Paläste der Herrscher, wie zum Beispiel die Halle der höchsten Harmonie.

Ein absolutes Highlight der Reise stand am nächsten Tag an: der Besuch der Chinesischen Mauer. Auf über 6000 km verläuft die Chinesische Mauer durch Wüsten, Ebenen, Täler und über Berge. Gedacht war die Mauer als Schutz vor den Völkern des Nordens. Auf einem Rundgang wanderten wir bei wunderschönem Wetter in dreieinhalb Stunden auf der Mauer. Der Ausblick auf die umliegenden Berge war absolut atemberaubend.

Auf dem Rückweg in die Stadt besuchten wir das Olympiastadion (genannt Vogelnest), das für die Olympischen Spiele 2018 errichtet wurde. Am frühen Abend machten wir einen Spaziergang durch die Gassen (Hutongs) des alten Peking. Danach ging es zum Nachtmarkt Pekings, ein fragwürdig kulinarisches Erlebnis für Unerschrockene. Dort gibt es neben der lokalen chinesischen Küche auch außerordentliche Speisen wie gegrillte Heuschrecken oder auch noch lebende Skorpione. Der Markt ist ein Erlebnis für das Auge und die Nase. Den letzten Abend beschlossen wird mit der Show „The Legend of Kung Fu“ im Red Theatre in Peking, wo die Geschichte eines jungen Mönchs erzählt wird, der davon träumt, eines Tages Kung Fu-Meister zu werden. Die Geschichte des Jungen wird mit Kung Fu, Tanz und chinesischer Akrobatik erzählt und von der größten Theaterproduktionsfirma des Landes inszeniert.

Am nächsten Tag flogen wir mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck und neu geschlossenen Freundschaften wieder nach Hause. Der Rückbesuch unserer chinesischen Freunde steht im Mai 2019 an. Darauf freuen wir uns sehr!

Weitere Informationen und Bilder zu der Austauschbegegnung finden Sie unter: https://www.feintechnikschule.de/die-bedeutung-von-austauschbegegnungen
 

Bericht und Fotos: Annette Beha, Werner Felten